Stiftung

Kleines Kind, das ein Broetchen isst

Die Stiftung Prijateli 2006.

Im Jahr 2006 in Sofia/Bulgarien gegründet, verfolgt die bulgarische Stiftung mit deutschen Gründungsmitgliedern ausschließlich gemeinnützige Zwecke. Schwerpunkt ist die Unterstützung von Kindern, die ohne Eltern aufwachsen. Zu unseren Aufgaben zählen die nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände und Zukunftsperspektiven von Heim- und Straßenkindern sowie Hilfe für Familien. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Aufbau eines Pflegefamilien-Netzwerks.

Hinzugekommen sind die Ausbildung von Pflege- und Adoptiveltern nach internationaler Norm und die Unterstützung von Familien mit behinderten Kindern und Frühchen.

Die Stiftung Prijateli 2006 ist beim Sofioter Stadtgericht mit Datum vom 12.10.2006 eingetragen unter Partiennummer 13435, Band 279, Seite 30 (Satzung der Stiftung Prijatli 2006) .

Historie

Unser erstes Projekt für Kinderheime.

Im Spätherbst 2004 konnten wir Michael Krahl – damals Vorstandsmitglied des Kreisverbandes Marburg-Biedenkopf der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. – für ein Hilfsprojekt zugunsten bulgarischer Kinderheime gewinnen. Rita Vaupel, Vorsitzende der Marburger Tafel, wurde unsere Schirmherrin. Gemeinsam mit der Tageszeitung „Oberhessische Presse“ riefen wir zu einer Spendenaktion auf, die in relativ kurzer Zeit über 4.000 Euro einbrachte.

Unser Ziel war es, die Lebensbedingungen der Heimkinder zu verbessern. Dabei stand am Anfang die regelmäßige Versorgung mit frischen Nahrungsmitteln im Vordergrund, da die Heimleitungen dafür nicht ausreichende Mittel besaßen. Dazu kamen viele wichtige Gebrauchsgüter des Alltags sowie etliche Renovierungsmaßnahmen, die mancherorts bitternötig waren. Denn schon bei unseren ersten Besuchen in Sofia im Jahr 2005 stellte sich heraus, dass den Kindern angesichts der schwierigen Lebensumstände in den Heimen weit mehr als nur Nahrungsmittel fehlten.

Vom ersten Projekt zur Stiftungsgründung.

Nach zahlreichen Gesprächen mit den zuständigen Behörden entstand die Idee, dass das Aufwachsen in einer Pflegefamilie im Grunde die weit bessere Alternative für elternlose Kinder darstellt. Hans Ordnung, Leiter des Kerstin-Heimes in Marburg, hat daraufhin ein Konzept für ein Pflegefamilien-Netzwerk erstellt. Die Schirmherrschaft übernahm Ingo-Endrick Lankau, der hessische Honorarkonsul der Republik Bulgarien. Wir konnten schnell Sponsoren und weitere Partner gewinnen.

Nach gründlicher Überprüfung des Konzepts wurde die Finanzierung von der Aktion Mensch und der Sektion „Hoffnung für Osteuropa“ des Diakonisches Werkes in Kurhessen-Waldeck übernommen. Heute ist „Hoffnung für Osteuropa“ angesiedelt bei der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck. Die Geburtsstunde der gemeinnützigen Stiftung Prijalteli 2006 erfolgte dann im Oktober 2006.

Umfeld

Erschreckend hohe Zahl an Heim- und Straßenkindern.

Bereits Ende des Jahres 2004 – noch vor Stiftungsgründung – begann unser deutsch-bulgarischer Freundeskreis, Spendengelder für Kinderheime zu sammeln. Zu dieser Zeit gab es in Bulgarien laut Statistiken bis zu 30.000 Heim- und Straßenkinder. Darunter waren sehr viele Sozialwaisen, die aufgrund einer problematischen Situation nicht bei ihren Eltern aufwachsen konnten. Zudem lebten im Jahr 2008 schätzungsweise bis zu 11.000 Kinder in öffentlichen Heimen. Dies war einer der höchsten Stände innerhalb der EU.

Zunehmende Armut und Streichung öffentlicher Mittel.

Bis zu 50 Prozent dieser Kinder wurden unmittelbar nach ihrer Geburt abgegeben und hatten keinerlei Chance auf eine Adoption oder ein Leben in einer Pflegefamilie. Dieses Problem wurde seitens der Gesellschaft kaum wahrgenommen. Verstärkt wurde es durch Armut und Arbeitslosigkeit – Umstände, die auch bedingt waren durch den Übergang vom kommunistischen zum demokratischen Staatsgefüge in Bulgarien. Der Mittelstand schrumpfte massiv, die Preise explodierten, und öffentliche Zuwendungen wurden gestrichen. Dagegen stieg der im EU-Vergleich ohnehin sehr geringe Durchschnittslohn kaum an. Auch deshalb sahen sich viele Eltern nicht in der Lage, ihre Kinder selbst zu versorgen.

Besorgniserregende Bedingungen in Kinderheimen.

Es verschärfte sich auch die existenzielle Situation für Kinderheime. Die Heimleitungen konnten eine gesunde Ernährung mit frischem Obst, Gemüse und Fleisch ebenso wie die Erhaltung der Gebäude nicht mehr ausreichend sicherstellen. Dies führte bei vielen Kindern zu Mangelerscheinungen. Im europäischen Vergleich hinkt die Mehrzahl der bulgarischen Heime nach wie vor den EU-Standards weit hinterher. Unser spendengestütztes Projekt „Kinderheime Sofia“ leistete hier von Anfang an einen wertvollen Beitrag.

Sozialpolitische Lösungsansätze.

Die bulgarische Regierung favorisiert folgende Alternativen zu einer Unterbringung im Heim:

  1. Rückführung in die Herkunftsfamilie
  2. Unterbringung des Kindes bei Verwandten
  3. Unterbringung des Kindes in einer Pflegefamilie
  4. Adoption eines Kindes durch bulgarische Eltern
  5. Adoption eines Kindes durch ausländische Eltern

Dabei war die Unterbringung in einer Pflegefamilie äußerst selten. So entstand neben dem Engagement für Heimkinder auch unser Konzept des Pflegefamilien-Netzwerks, das bis heute ein zentrales Standbein unserer Arbeit darstellt.


Aktuelles

, Sofia

Frühstart Leben

Frühchen
Diakonie, einer unser Kooperationspartner

Das Modellprojekt „Frühstart Leben“, welches eine Frühförderung für Früh- und Risikoneugeborene und ihrer Familien in Sofia vorsieht, ist unter großer medialer Aufmerksamkeit gestartet.

Eingebunden vor Ort ist die Sheinovo Geburtsklinik unter Dr. Rumen Velev (Direktor). Das Projekt sieht u.a. eine Schulung beim Klinik- und Betreuungpersonal, sowie die ambulante Betreuung von Eltern mit Frühchen durch eine Hebamme und einen Sozialarbeiterfachkraft vor.

Unsere Frühförderkraft Madlen Eftimova betreut als Sozialarbeiterfachkraft betroffenen Familien. Sie ist eingebunden in ein interdisziplinäres Netzwerk aus Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen.

Weitere Informationen zu unserem Modellprojekt finden Sie auf der Projektseite des DW Frankfurt und in dem Flyer „Frühstart Leben“ (PDF, 2 MB).

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